Teresa Enke spricht über Robert – DFB sagt Länderspiel ab

Bereits Jahre vor seinem gestrigen Selbstmord litt der Torwart von Hannover 96, Robert Enke, an schweren Depressionen. Dies teilte die Witwe des Nationalkeepers Teresa Enke in einer bewegenden Pressekonferenz mit.

Teresa gab einen ganz persönlichen Einblick in das Leben der letzten Jahre. „Wir dachten, wir schaffen alles. Wir dachten halt auch, mit Liebe geht das. Man schafft es aber doch nicht„, so Teresa mit stockender Stimme. Am gestrigen Dienstagabend hatte der 32 Jahre alte Schlussmann Selbstmord begangen.

Der DFB teilte auf einer in Bonn anberaumten Pressekonferenz mit, dass das für den kommenden Samstag angesetzte Länderspiel in Köln gegen Chile nicht stattfinden wird. Diese Entscheidung sei nach dem tragischen Unglück „alternativlos“ gewesen, sagte DFB- Präsident Theo Zwanziger. Auch Bundestrainer Joachim Löw, der nicht anwesend war, reagierte zutiefst bestürzt auf die schreckliche Nachricht. „Es fällt mir schwer, die Gefühle zu beschreiben. Ich bin völlig schockiert„, so Löw.

Das Teamquartier in Bonn wurde noch am heutigen Mittwoch abgebrochen, die Nationalspieler reisten ab. Am 15. November werden sie an einer Trauerfeier für ihren verstorbenen Kollegen teilnehmen, ehe sie sich am Folgetag auf die Partie in Gelsenkirchen gegen die Elfenbeinküste vorbereiten werden. Dies teilten ein sichtlich bewegter Zwanziger und der zwischenzeitlich von einem Weinkrampf geschüttelte Teammanager Oliver Bierhoff mit.

Während seiner Zeit beim FC Barcelona und bei Fenerbahce Istanbul 2003 hatte sich der Schlussmann in Behandlung begeben. Dies teilte der Kölner Arzt Markser. Enke litt zu diesem Zeitpunkt schon an Depressionen und Versagensängsten. Enke wollte seine Krankheit nicht an die Öffentlichkeit gelangen lassen. Damit wollte er in erster Linie sein Privatleben schützen und auch seine Karriere nicht in Gefahr bringen. „Ich habe versucht, für ihn da zu sein„, so Teresa Enke. Noch am Tag seines gestrigen Selbstmordes hatte Enke eine stationäre Behandlungen abgelehnt.

Enke habe sich in seinem Abschiedsbrief bei seiner Familie und seinem Arzt entschuldigt, sie über seinen Zustand in den vergangenen Wochen getäuscht zu haben, um seine Selbstmordpläne verwirklichen zu können. Enke hatte noch am vergangenen Sonntag beim Bundesliga-Spiel seiner Mannschaft gegen den HSV zwischen den Pfosten gestanden.

Für den heutigen Mittwochabend wurde eine Trauerandacht in der Marktkirche in Hannover angekündigt. Diese wird Landesbischöfin Margot Käßmann abhalten. Auch Zwanziger, Löw und sein Trainerstab sowie Kapitän Michael Ballack werden dabei sein. Nach der Andacht wird ein von Anhängern des Clubs organisierter Trauermarsch durch Hannover bis hin zur AWD-Arena stattfinden.

Den Spielern der Niedersachsen wurde bis zum kommenden Montag freigestellt, ob sie trainieren wollen.

Am 13. Spieltag der 1. und 2. Fußball-Bundesliga werden alle Teams in Gedenken an ihren Kollegen Enke mit Trauerflor auflaufen. Zudem kündigte die DFL an, dass am übernächsten Wochenende vor allen 18 Spielen eine Gedenkminute für den Keeper abgehalten wird.

Der Bundestrainer und die Nationalspieler erfuhren am Dienstagabend nach dem ersten Training vom Tod ihres Kollegen. Die heute für den Vormittag angesetzte Übungseinheit wurde abgesagt. Anschließend folge, nach einer Beratung von Zwanziger mit dem Mannschaftsrat um Kapitän Michael Ballack, Bierhoff und DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, die Spielabsage gegen Chile.

DFB-Teammanager Oliver Bierhoff kämpft
mit seinen Emotionen.

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