„Sommer der Kargheit“: Die Premier League spart

In Englands Elite-Liga geht der Sparfuchs um: Nach langen Jahren des Geld-um-sich-Werfens und immer höher steigender Verschuldung haben Top-Mannschaften wie Manchester United oder der FC Liverpool nun einen Sparkurs eingelegt.

Zwar schließt der Transfermarkt erst Ende August seine Pforten, doch kaum ein Fußball-Fan rechnet noch mit spektakulären Transfers. Zudem macht den Fans auf der Insel das schlechte Abschneiden der „Three Lions“ bei der WM 2010 in Südafrika weiter zu schaffen.

Abgesehen von Manchester City haben die Premier-League-Clubs zurückhaltend oder überhaupt nicht eingekauft. So rief das Sonntags-Blatt „The Observer» nun den „Sommer der Kargheit“ aus, fand dies aber nicht schlecht: „Vielleicht erscheint die gedämpfte Atmosphäre nach all dem Hype der Vergangenheit sogar als Erleichterung.“

Kaka, Messi und Co. verweilen weiter in Spanien. Auch aus Deutschlands bei der WM überzeugenden Nationalmannschaft zog, abgesehen von Nationalverteidiger Jerome Boateng, der allerdings schon vor dem Turnier als Neuzugang vom HSV bei ManCity angekündigt wurde, kein Spieler in die zuletzt als attraktivste Liga der Welt bezeichnete Premier League. Der Stuttgarter Sami Khedira gab Real Madrid den Vorzug.

Einzig Manchester City, das der Herrscherfamilie des Golfscheichtums Abu Dhabi gehört, wirft weiter mit dem Geld um sich und setzt seine beispiellose Shopping-Tour fort. Neben dem vom HSV für geschätzten 13,4 Millionen Euro geholten Boateng verpflichtete die Mannschaft von Trainer Roberto Mancini unter anderem mit dem spanischen WM-Star David Silva vom FC Valencia (29,2 Millionen), dem defensiven Mittelfeldmann Yaya Touré vom FC Barcelona (34 Millionen) und Aleksandr Kolarov von Lazio Rom (19,5 Millionen).

Völlig anders sieht es da beim Serien-Meister Manchester United aus, wo sich Chefcoach Sir Alex Ferguson still und heimlich über das 7-Millionen-Schnäppchen Javier Hernandez freut. Der Angreifer hatte ManU bereits verpflichtet, bevor er mit seiner Mexikanischen Nationalelf bei der WM überraschte. Meister und Pokalsieger FC Chelsea setzte derweil seine vertragsfreien Michael Ballack (Bayer Leverkusen) und Joe Cole (Liverpool) an die Luft und holten den Israeli Yossi Benayoun für bescheidene 6,7 Millionen Euro von den „Reds“.

Der neue Sparkurs könnte die Premier League auch international schwächen. Im vergangenen Mai ging das Endspiel der Champions League erstmals seit sechs Jahren ohne englische Mannschaft über die Bühne. In England dagegen könnte dies allerdings zu mehr Chancengleichheit führen und damit für mehr Spannung sorgen.

Das zumindest hofft Arsène Wenger, Übungsleiter vom FC Arsenal, der sein Team für verhältnismäßig teure 12,6 Millionen Euro mit dem Marokkaner Marouane Chamakh von Girondins Bordeaux verstärkte. „Es ist offener dieses Jahr. Bis zu sieben Mannschaften können um den Titel spielen„, so Wenger.

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