Russland nach Sieg über Niederlande im EM-Halbfinale

Russland hat den Favoriten Niederlande im Viertelfinale der EM 2008 in Österreich und der Schweiz aus dem Turnier gekegelt. Die vom Holländer Guus Hiddink betreuten Russen schlugen das Team von Marco van Basten verdient mit 3:1 (1:1, 0:0) nach Verlängerung. Somit ist die Party in Orange zu Ende.

Die in der Vorrunde noch überragend spielenden Niederländer enttäuschten, im Beisein von Bundestrainer Joachim Löw, auf ganzer Linie. Der Halbfinalgegner der „Sbornaja“ wird am morgigen Sonntag (20:45) zwischen Spanien und Weltmeister Italien ermittelt.

Die 38.374 Fußball-Fans im ausverkauften St. Jakob-Park sahen Treffer von Roman Pawljutschenko (56. Minute), Dmitri Torbinski (112.) und Andrej Arschawin (116.). Ruud van Nistelrooy hatte mit seinen Treffer in der 86. Minute die Elftal noch in die Verlängerung gerettet. Hiddink führte damit nach der Niederlande (WM 1998) und Südkorea (WM 2002) schon das dritte Team in das Semifinale eines großen Turniers.


Im Gegensatz zum letzten Gruppenspiel gegen Rumänien (2:0) ließ van Basten wieder seine Bestformation auflaufen. Auch Ex-HSV-Akteur Khalid Boulahrouz, dessen Einsatz nach dem Tod seiner am Mittwoch in der 22. Schwangerschaftswoche zu früh zur Welt gekommenen Tochter lange offen war, stand in der Anfangself. Oranje lief daher auch mit Trauerflor auf. Hiddink gab etwas überraschend Iwan Saenko den Vorzug vor Dinijar Biljaletdinow. Saenko legte forsch zu, war aber bei seinen frühen Möglichkeiten nicht konsequent genug.

Die bis zum Viertelfinalspiel so überragenden Niederländer hatten so ihre Probleme, ihr gewohntes Kombinationsspiel aufzuziehen. Es dauerte gut 20 Minuten, ehe Oranje in die Partie fand. Weslej Sneijder konnte in der 19. Minute erstmals ein wenig Gefahr andeuten, doch sein Schuss wurde abgeblockt. In der 29. Minute dann die Führungsmöglichkeit durch Ruud van Nistelrooy, doch er verpasste einen Freistoß vom HSV-Profi Rafael van der Vaart knapp. In der Folge vergaben van der Vaart (37.) und erneut van Nistelrooy (44.) gute Möglichkeiten. Aber auch die Russen waren immer wieder brandgefährlich: In der 31. Minute prüfte erst Arschawin und dann Denis Kolodin den weltklasse parierenden Schlussmann Edwin van der Sar. Van der Saar bestritt heute sein 16. EM-Spiel und zog mit Rekordspieler Lilian Thuram aus Frankreich gleich.

Keeper Edwin van der Saar (r) wehrt
einen harten Schuss glänzend ab.

Die Holländer spielen nicht so gut wie in den letzten Spielen, die Russen sind besser. Aber beide Mannschaften agieren unerwartet defensiv„, sagte der niederländische Ex-Bundesliga-Spieler Youri Mulder zur Halbzeit. Nach der Pause blieb der schwache Kuyt draußen, für ihn kam van Persie. Und der Profi des FC Arsenal gab mit einem gefährlichen Schuss sogleich das Signal zur Attacke (46.). Doch die Russen hielten clever dagegen und lauerten auf Konte. So führte auch ein mustergültig vorgetragener Konter zur Führung der Russen, als Pawljutschenko eine Semak-Flanke zu seinem dritten Turniertor nutzte.

Kurz darauf zog van Basten, wie schon beim 4:1 gegen Frankreich, van der Vaart ins defensive Mittelfeld zurück. Doch diesmal sollte sich am Spielverlauf nichts ändern. Die Führung spielte der konterstarken Hiddink-Truppe in die Karten, die durch Alexander Anjukow (70.) und auch später mehrmals das 2:0 auf dem Fuß hatten. So war es van Nistelrooy, der sein Team per Kopf zumindest noch in die Verlängerung rettete. Auch in der Verlängerung hatten die Russen die besten Chancen, die sie wie gewohnt nicht konsequent nutzten. Ohnehin eines der größten Probleme der Russen ist die mangelhafte Chancenausbeute, mit der sie bereits nach 90 Minuten als Sieger vom Platz hätten gehen können. Die Russen durften übrigens zu elft zu Ende spielen, da Referee Lubos Michel eine Ampelkarte gegen Kolodin zurücknahm (90.).

Rafael van der Vaart liegt enttäuscht am Boden.

(dpa)

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