Neuer Wettskandal: Offenbar 380 Spiele in Europa manipuliert

Der internationale Fußball wird wieder von einem Wettskandal erschüttert. Das, was die europäische Polizeibehörde Europol am gestrigen Montag auf einer Pressekonferenz im niederländischen Den Haag bekannt gab, dürfte aber alles bisher in dieser Hinsicht Dagewesene in den Schatten stellen und die Glaubwürdigkeit des Fußballs womöglich extrem beschädigen.

Allein in Europa sollen demnach zwischen 2008 und 2011 380 Spiele manipuliert worden sein, worunter sich auch Spiele der Champions League und der WM-Qualifikation befinden. Um welche Partien es sich konkret handelt, halten die Ermittler aber ebenso noch unter Verschluss wie die Namen von insgesamt 425 Spielern, Schiedsrichtern und weiteren Offiziellen, die in die Manipulationen involviert gewesen sein sollen. Neben den Spielen in Europa, wobei es sich schwerpunktmäßig um Begegnungen in der Türkei, der Schweiz und auch Deutschland handeln soll, stehen außerdem auch rund 300 Partien außerhalb Europas in Verdacht.

Zu diesem Ergebnis kamen Ermittler aus 13 Ländern, die über 18 Monate hinweg in der Sonderkommission „Veto“ 13.000 Telefongespräche und Mails ausgewertet und mit mit V-Leuten auch direkt in der Szene ermittelt haben.

Europol-Direktor Rob Wainwright, der die Pressekonferenz leitete, ließ bei seinen Aussagen keinen Zweifel daran, dass manipuliert wurde und rechnet damit, dass im Zuge der Ermittlungen noch weitere Betrügereien ans Licht kommen: „Für uns steht fest, dass es sich um den größten Fall aller Zeiten in diesem Bereich handelt. Das ist erst die Spitze des Eisberges. Das ist ein trauriger Tag für den europäischen Fußball.“

Die Strippenzieher der Betrügereien sitzen offenbar in Asien, doch 151 Verdächtige sollen auch in Deutschland ihren Wohnsitz haben. Bei den hierzulande unter Verdacht stehenden 70 Spielen soll es sich in erster Linie um unterklassige Spiele handeln.

Stellvertretend für den deutschen Fußball zeigte sich Nationalmannschaft-Manager Oliver Bierhoff gegenüber der „Welt“ sichtlich getroffen: „Wir müssen abwarten, ob diese Zahlen stimmen. Wenn sie stimmen, ist das beängstigend.“

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.