Manfred Amerell tot in Wohnung aufgefunden

Der ehemalige Schiedsrichter Manfred Amerell wurde von Polizeikräften leblos in seiner Münchner Wohnung aufgefunden. Zu den Todesumständen konnte die zuständige Behörde noch keine Angaben machen. Auch der genaue Todeszeitpunkt ist ungewiss. Bundesdeutsche Bekanntheit hatte Amerell erlangt, als ihm ein Schiedsrichterkollege sexuelle Belästigung vorgeworfen hatte und er sich dagegen wehrte.

Die Karriere von Manfred Amerell
Sein gesamtes Leben verschrieb der 65-jährig Verstorbene dem Fußball, für den er in verschiedenen Funktionen arbeitete. Seine Laufbahn begann beim TSV 1860 München, für den er sich von 1970 bis 1975 als Geschäftsführer verantwortlich zeichnete. Im Anschluss übte er die gleiche Tätigkeit bei den Vereinen FC Augsburg sowie dem Karlsruher SC aus. Schon damals pfiff er Jugend- und Amateurspiele und brachte es aufgrund guter Leistungen zum Schiedsrichter im Profifußball. Von 1984 bis 1994 widmete er sich dieser Aufgabe und leitete insgesamt 67 Partien der 2. Bundesliga und 66 Spiele der 1. Bundesliga. Danach nahm er verschiedene Stellen innerhalb des DFB an, zuletzt fungierte er als Sprecher sämtlicher Schiedsrichter. In dieser Eigenschaft kritisierte er immer wieder das Verhalten von Vereinsvertretern am Spielfeldrand, die seiner Meinung nach Referees zu stark angingen und so die Situation vergifteten. Bis 2010 gehörte ihm zudem ein Hotel in Augsburg.

Die Affäre um angebliche sexuelle Belästigung
In diesem Jahr folgte der berufliche und gesellschaftliche Absturz von Amerell. Am 9. Februar trat er überraschend von sämtlichen Ämtern zurück und führte dafür gesundheitliche Gründe an. Drei Tage später offenbarte er jedoch die wahre Ursache: Der junge Schiedsrichterkollege Michael Kempter, den Amerell in seiner Funktion betreute, erhob verbandsintern den Vorwurf der sexuellen Belästigung. Amerell wies diesen strikt zurück und fühlte sich mit einer Verleumdungskampagne konfrontiert. Es folgte eine harte mediale und juristische Auseinandersetzung. Zwar verzichtete die Staatsanwaltschaft auf eine Anklage, aber es kam zu zivilrechtlichen Prozessen. So wollte Amerell dem DFB-Präsidenten Theo Zwanziger untersagen lassen, ihn der Amtspflichtverletzung zu bezichtigen. Mit dieser Unterlassungsklage scheiterte der nun Verstorbene. Das Landgericht Augsburg sah es als erwiesen an, dass Amerell die notwendige Distanz zu seinem Betreuten hatte missen lassen. Im zweiten Prozess verklagte Amerell Kempter wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte. Der Kläger gab eine Beziehung zu seinem Kollegen zu, behauptete jedoch, dass diese einvernehmlich gewesen sei. Kempter schloss im Laufe des Verfahrens nicht mehr aus, dass Amerell dies aufgrund einer nicht ausreichend deutlichen Zurückweisung so wahrgenommen haben könnte. Der gerichtliche Streit endete mit einem Vergleich. In der Berichterstattung wurde das Zugeständnis Kempters größtenteils als Erfolg Amerells gesehen, der diese Affäre nach eigenen Aussagen dennoch nur schwer verkraftete.

Wohl schon mehrere Tage leblos in seiner Wohnung
Der Grund seines Todes war zunächst unklar. Nachbarn hatten bemerkt, dass sich seine Post stapelte. Zudem hatten sich Bekannte um Amerell gesorgt, da sie ihn telefonisch nicht erreichen konnten. Es ist deshalb anzunehmen, dass der ehemalige Schiedsrichter schon einige Tage tot in seiner Wohnung lag. Die zuständigen Behörden prüfen nun unter anderem, ob es sich eventuell um einen Suizid handelt. Im Zuge des Sex-Skandals hatte Amerell in Gesprächen mit Medienvertretern entsprechende Gedanken geäußert. Wann die Beerdigung stattfindet, ist angesichts der Untersuchungen ungewiss. Amerell hinterlässt zwei Zwillingsschwestern im Erwachsenenalter.

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