EM-Aufarbeitung: Löw kritisiert Ballack

Bundestrainer Joachim Löw hat bei der Aufbereitung der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz seinen Team-Kapitän Michael Ballack für dessen Verhalten nach dem verlorenen Endspiel gegen Spanien kritisiert und die Abschiedsfeier in der Hauptstadt Berlin als „nicht gelungen“ eingestuft.

Unmittelbar nach der 0:1-Pleite gegen Spanien in Wien waren Ballack und Teammanager Oliver Bierhoff verbal aufeinander los gegangen, als sich die Truppe eigentlich im Wiener Ernst-Happel-Stadion von den deutschen Anhängern verabschieden sollte. Löw kritisierte Ballacks Wortwahl in diesem Augenblick als „nicht so ganz geschickt .“

Die Emotionen seien zwar nachvollziehbar: „Allerdings muss man sich als Kapitän der Mannschaft nicht in diesem Maße und mit solchen Ausdrücken abreagieren„, so der Coach in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Löw wird darüber mit dem Team-Leader, der aufgrund einer Fußverletzung das erste Länderspiel der neuen Saison in Nürnberg gegen Belgien absagte, noch einmal reden. Bierhoff hingegen sieht dafür keine Veranlassung: „Für mich ist die Sache erledigt, damit beschäftige ich mich nicht mehr„, sagte der Teammanager in Herzogenaurach.

Trotz der Enttäuschung über das verlorene Finale„, legte Bierhoff dem Präsidium DFB bereits eine erste positive EM-Analyse vor. Zum sportlichen Erfolg mit dem Vizemeister-Titel hat das Turnier auch finanziell einen größeren Gewinn als erwartet eigebracht. Bierhoff: „Die endgültige Abrechnung fehlt noch. Aber von der Tendenz sind wir weit unter dem geplanten Etat geblieben.“


Der DFB hatte mit einem EM-Etat von rund 20 Millionen Euro geplant, der wie Bierhoff angibt überschritten wurde. Für die sportlichen Erfolge überwies die UEFA bsi zum Einzug ins Endspiel 19 Millionen Euro. Dagegen standen als höchste Ausgabe die Spielerprämien in Höhe von rund 4 Millionen Euro. Dazu kommen noch Reise- und Unterkunftskosten, die Ausgaben für den Betreuerstab sowie alle Ausgaben rund um die Mannschaft.

Bierhoff verteidigte nochmals die aufwendigen Maßnahmen rund um das DFB-Team von der Kader-Präsentation auf der Zugspitze bis hin zur Dankeschön-Feier am Brandenburger Tor in Berlin. „Sicher kann man immer wieder unterschiedlicher Meinung sein. Aber mit der Zugspitze haben wir es auf den Titel aller Blätter gebracht und ein Zeichen gesetzt, dass die EM-Vorbereitung beginnt„, sagte der Manager und schloss an: „Es ist wichtig, auch Dinge zu wagen und riskieren.“

Löw räumte allerdings ein, dass der Charakter der Abschiedsparty in Berlin etwas verschoben wurde: „Sich feiern zu lassen ist was anderes als das, was wir wollten. Für uns sollte vor allem das Dankeschön an die Fans rüberkommen.“ Die Emotionen seien übergeschwappt und das Rahmenprogramm, „in dem die Spanier verulkt wurden„, sei „nicht in jeder Hinsicht gelungen“ gewesen, betonte er.

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